Ein mRNA-Impfstoff gegen SARS-COV-2

Das deutsche Unternehmen Biontech und der amerikanische Partner Pfizer verkündeten Anfang November 2020 einen bahnbrechenden Erfolg im Kampf gegen das Coronavirus. Der mRNA-Impfstoff mit der internen Bezeichnung BNT162b2 bietet nach Aussage des Herstellers eine mehr als 90%ige Schutzwirkung vor einer Erkrankung durch CoVid-19 und soll bereits Anfang 2021 in Deutschland verfügbar sein.

BNT162b2 erzielte in der Phase-3 Doppelblind-Studie offenbar eine sehr gute Schutzwirkung, ohne dass schwerere Komplikationen auftraten. Die fast 44.000 Teilnehmer aller Altersgruppen erhielten in einem Abstand von 21 Tagen 2 Injektionen, um sowohl die Verträglichkeit als auch die Effektivität des Impfstoffs zu überprüfen.

Schutzwirkung übertrifft Erwartungen

Die festgestellte Schutzwirkung von BNT162b2 liegt dabei auf ähnlichem Niveau wie bei einer protektiven Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (93-99%) und übertrifft die ursprünglichen Erwartungen somit deutlich. Die Wissenschaftler hatten im Vorfeld eine Effizienz von 50-70% kalkuliert – diese würde einer typischen Grippeschutzimpfung entsprechen.

Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich eine tatsächliche Schutzwirkung in Bezug auf die jeweiligen Altersgruppen verhält. Denn die Erfolgsrate einer Impfung nimmt aufgrund der zunehmenden Immunseneszenz sukzessive ab. Bei der Grippeschutzimpfung zeigt sich beispielsweise, dass die Effizienz bei Kindern und Jugendlichen bei bis zu 75% liegen kann, während diese bei älteren Menschen bis auf 41% abfällt.

Eine 100%ige Sicherheit des Impfstoffes ist darüber hinaus aber auch Grundvoraussetzung für eine möglichst hohe Akzeptanz von BNT162b2 in der Bevölkerung. Nach Aussage von Biontech und Pfizer sind in den einzelnen Studien bislang aber keine ernsthaften Sicherheitsrisiken beobachtet worden.

Allerdings steht der Hersteller auch im Wettbewerb zu zahlreichen anderen Unternehmen, weshalb die bisherigen Ergebnisse zumindest kritisch betrachtet werden sollten. Denn laut der Weltgesundheitsorganisation WHO befinden sich derzeit 47 Impfstoffe weltweit in klinischer Prüfung, davon 10 bereits in Phase 3. 

Impfstoff auf Messenger-RNA-Basis

Zumal der mRNA-Impfstoff von Biotech/Pfizer zu einer neuen Gruppe von Vakzinen zählt, welche klinisch bislang noch nicht eingesetzt worden sind. Diese enthalten den Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus als modifizierte Boten-RNA – menschliche Zellen übernehmen in Folge die eigentliche Produktion des Impfstoffes.   

Die Generierung der Antikörper bildenden B- und T-Zellen kann erfahrungsgemäß Müdigkeit, Fieberattacken, Schüttelfrost sowie Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen auslösen. Die entsprechenden Antikörper können aber selbst ungewollte Reaktionen bedingen, indem sie mitunter auch intakte Zellstrukturen attackieren.  

Derzeit noch nicht geklärt ist ebenso, ob eine zukünftige Impfung neben der eigentlichen Infektions-Schutzwirkung für den jeweiligen Probanden auch andere Menschen vor einer Infektion und entsprechenden CoVid-19 Krankheitsverläufen bewahren kann. 

Denn das Coronavirus vermehrt sich zunächst in den Schleimhäuten von Nase und Rachen und in den oberen Atemwegen, wo es in erster Linie durch Ig-A Antikörper angegriffen wird – der Körper aber produziert in Folge der Impfung durch BNT162b2 Immunfaktoren des Typs Ig-G, welche das SARS-CoV-2 Virus vorwiegend in den inneren Organen (Lunge) bekämpfen.

Es wäre somit durchaus vorstellbar, dass geimpfte Menschen zwar selbst vor einer Erkrankung durch CoVid-19 geschützt sind, andere Personen jedoch weiterhin infizieren können. 

Zeitraum der Immunisierung noch unklar

Außerdem ist auch der genaue Zeitraum der Immunisierung nach erfolgter Impfung unklar. Fest steht allerdings schon jetzt, dass mindestens 2 Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer notwendig sein werden, um die voraussichtliche Wirkdauer von 1 Jahr zu erzielen. Aber auch diese Annahme ist bislang noch nicht bestätigt.  

Möglicherweise müssen die entsprechenden Schutzimpfungen, ähnlich wie bei der Influenza, in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Hinsichtlich potenzieller Mutationen kann allerdings Entwarnung gegeben werden, da sich das Coronavirus, im Gegensatz zu Grippeerregern, relativ stabil verhält. Somit ist derzeit nicht zu befürchten, dass ein Impfstoff innerhalb kürzester Zeit an Wirkung verlieren würde. 

Damit BNT162b2 nach erfolgter Zulassung möglichst schnell in der europäischen Union verfügbar ist, wurden von der EU-Kommission zwischenzeitlich bereits Lieferverträge mit Biontech/Pfizer über 300 Millionen Einzeldosen für 2021 geschlossen. Bis Ende nächsten Jahres könnten nach Aussage des Herstellers bis zu 1.3 Milliarden Impfdosen produziert werden.

Aufwendiger Impfprozess

Allerdings muss der Impfstoff bei einer sehr niedrigen Temperatur von -70° C transportiert werden, was eine aufwendige Logistik seitens der entsprechenden Transportunternehmen in Deutschland (Deutsche Post, UPS, Fedex) erforderlich machen wird. Die Impfung selbst sollen wiederum speziell eingerichtete Impfzentren und mobile Impftrupps übernehmen, welche final von Bund und Ländern organisiert werden. Aufgrund der Anzahl der zu impfenden Menschen ist zu erwarten, dass sich der eigentliche Impfprozess wohl noch über einige Zeit hinziehen wird. 

Nichtsdestotrotz sollten die Risiken für Impfstoffe wie BNT162b2 auch nicht überbewertet-, sondern in ein vernünftiges Verhältnis zu den tatsächlichen Folgen der Pandemie gesetzt werden. Dabei sind mitunter nicht nur individuelle Spätfolgen einer Erkrankung an CoVid-19 von Relevanz, sondern ebenso die wirtschaftlichen Auswirkungen für jeden Einzelnen und letztendlich für unsere Gesellschaft.

Bleiben Sie weiterhin gesund und schützen Sie sich und Ihre Familie.

Ihr Dr. med. Marco Prümmer

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