In seiner natürlichen Funktion bewirkt bovines Colostrum nach der Übertragung von der Mutter auf das Jungtier eine passive Immunisierung gegenüber den verschiedensten Infektionskrankheiten.

Somit stellt sich natürlich die Frage, ob diese Schutzwirkung bei der Einnahme von bovinem Colostrum auch auf den Menschen übertragen werden kann. Und welche Rolle spielen dabei die in der Erstmilch enthaltenen Immunfaktoren?

Colostrum wirkt im Verdauungstrakt

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Stabilität der Immunglobuline (Ig) im Verdauungstrakt beeinträchtigt werden kann durch:

  • Verdauungsenzyme, wie beispielsweise Pepsin und Trypsin
  • eine sauren pH-Wert, wie er im Magen vorkommt
  • eine Exposition gegenüber Temperaturanstiegen

Dennoch besteht interessanterweise eine immunologische Wirkung der Immunfaktoren auch nach der Verdauung. In einer neueren Studie von 2015 wurde nachgewiesen, dass die Wirksamkeit der Immunglobuline von bovinem Colostrum bei der Passage durch den Gastrointestinaltrakt nicht entscheidend verringert wird [1].

Die spezielle Struktur der Immunglobuline, vor allem die intra- und intermolekularen Disulfidbindungen, bewirken die notwendige Stabilität gegenüber der menschlichen Verdauung. Zwar kann es zu einem partiellen Abbau durch proteolytische Enzyme kommen, aber die für die Aktivität der Immunfaktoren relevanten Fab-Fragmente erhalten ihre Bindungsfähigkeit und infolgedessen auch ihre Fähigkeit zur Neutralisation gegenüber den Antigenen.

Die Immunglobuline sind somit auch nach der Verdauung aktiv, was unter anderem zu einem erhöhten Serumtiter führt [2]. Eine Studie von 1999 zeigte ebenfalls, dass der Antikörper-Titer beim Menschen durch eine Gabe von bovinem Colostrum ansteigen – und so eine passive Immunisierung ermöglichen kann [3].

Dadurch ist auch bei einer oralen Aufnahme von bovinem Colostrum eine Schutzwirkung gegeben, beispielsweise bei Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen, Alzheimer, Allergien sowie Enterotoxinen, Endotoxinen und Exotoxinen, welche durch bakterielle Infektionskrankheiten hervorgerufen werden können [4].

Diese Schutzwirkung ist insbesondere auch bei Infektionen mit ETEC (E.Coli Bakterien) im Darm zu beobachten [5], aber ebenso bei Pilzinfektionen (z.B. Candida), Virusinfektionen (z.B. Rotaviren) und anderen Bakterieninfektionen (z.B. Clostridium difficile).

Bovines Colostrum, welches übrigens schon im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 1865) eingesetzt wurde, bietet meines Erachtens somit einen hervorragenden Schutz gegenüber bakteriellen-, viralen- und mykotischen Infektionen.

Ihr Dr. Marco Prümmer

[1] International Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics; Vol. 45, 2007
[2] Nutritional Journal, März 2015
[3] Clinical & Experimental Immunology; Mai 1999
[4] Nutritional Journal; März 2015
[5] British Journal of Nutrition; Vol. 113, 2015

 

 

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